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Lebensraum Buchentotholz

Holzbewohnende Pilze.
Im Nationalpark Kellerwald haben die Bäume zukünftig die Chance ihr biologisches Alter zu erreichen. Stirbt ein Baum und fällt vom Sturm umgerissen zu Boden, bietet er noch über viele Jahre hinweg für die verschiedensten Organismen einen Lebensraum Für jeden Wanderer auffallend sind die verschiedenartigen Pilzformen, die an stehenden und liegenden Totholz zu sehen sind. Holzbewohnende. Pilze zersetzen das Holz lebender und abgestorbener Bäume und sind in zwei Hauptgruppen zu teilen.
Zur ersten Gruppe gehören parasitisch lebende Pilzarten, die lebende Bäume und Sträucher befallen. Dies führt häufig zu Stammfäule an den besiedelten Bäumen. Die Holzzersetzung des Kernes behindert den befallenen Baum lange Zeit hindurch kaum im Wachstum, da die saftführenden äußeren Holzschichten und die Rinde unversehrt bleiben. Die fortschreitende Zerstörung im Bauminneren erhöht jedoch allmählich die Gefahr des Stamm- und Astbruches bei Stürmen. Durch diesen Prozess entstehen große und kleine Hohlräume im Baumesinnern die von Kleinsäugern und Vögeln besiedelt werden.
Zur zweiten Gruppe gehören saprophytische Pilze (Fäulnisbewohner) die nur abgestorbenes Holz befallen. Das was allgemein als Pilz bezeichnet wird ist genau genommen nur der Fruchtkörper. Der Pilz selbst lebt im verborgenem, er besteht aus einem fein verzweigten Fadengeflecht, dem Myzel, welches lichtempfindlich ist und das abgestorbene Holz durchwuchert, um ihm Nährstoffe zu entziehen.
Im Frühherbst (August bis Oktober) sind die meisten Pilze zu beobachten. Dies ist darauf zurückzuführen, das dass Verhältnis von Feuchtigkeit und Temperatur in dieser Jahreszeit für das Pilzwachstum am günstigen ist. Hohe Temperaturen und viel Feuchtigkeit fördern das Wachstum enorm.

Einige der vorwiegend auf Buchentotholz wachsenden Pilze sollen hier vorgestellt werden.

Das Fadengeflecht des Pilz-Myzel durchdringt das Holz Goldfell-Schüppling.
Der Flache Lackporling  (Ganoderma applanatum)  kann eine Breite von 60 cm erreichen
Rötliche Kohlebeere
Ziegelroter Schwefelkopf
Buchen-Schleimrübling (Qudemansiella mucida)
Ästige Stachelbart-Koralle (Hericium ramosum) auf Buchentotholz Ästige Stachelbart-Koralle (Hericium ramosum) ein seltener Pilz im Nationalpark Kellerwald

Die Ästige Stachelbartkoralle (Hericium ramosum) ist ein seltener Pilz abgestorbener Buchen. Der frisch gewachsene Pilz ist zunächst von reinweißer Farbe, ältere Exemplare haben eine lederfarbene bis bräunliche Färbung. Dieser auch als Buchenstachelbart bezeichnete Pilz kann als Gütezeichen naturnaher Wälder angesehen werden. Der Fruchtkörper des Pilzes erreicht einen Durchmesser von 30 cm.

Die Färbung verdankt dieser Schleimpilz den Namen  Lohblüte Fruchtkörper des Schleimpilzes Lepidoderma tigrinum

Nicht Pflanze, nicht Tier und auch nicht Pilz ist der oben rechts abgebildete Schleimpilz. Schleimpilze sind ganz eigenständige Organismen. Sie vegetieren zunächst im feuchten Milieu des Totholzes. Dann kriechen sie aktiv als “Plasmodien” eine wie Urtierchen  sich bewegende Profoplasmamasse, über die Oberflächen, wie man auf dem Bild  sehen kann. Die Masse hat fast die Konsistenz eines schaumigen Desserts. Schließlich werden sie sesshaft und formen sich unter großem Wasserverlust zu Fruchtkörpern um.

Der Mulm dieser hohlen Buche ist ein Lebensraum für Käferlarven

Leben im Totholz
Das Wirken der Pilze schädigt das Holz und macht es morsch. Dies ist die Grundlage für die Besiedlung durch Käferlarven aus der Familie “Lucanidae, Scarabaeidae”, der Hirschkäfer, Schröder und Dung- käfer. Vier von den im National- park Kellerwald vorkommenden

Arten sollen hier vorgestellt werden. Der wohl bekannteste unter ihnen ist der Hirschkäfer. Die Männchen erreichen eine Länge bis 75 mm und gehören somit zu den größten europäischen Käfern. Er bewohnt Laubwälder mit alten modernden Bäumen, wo sich die Larven im Mulm dieser Bäume, Baumstümpfen und Wurzelwerk entwickeln. Der Hirschkäfer bevorzugt Eichen, ist aber auch in Buchen, Ahorn, Weiden und Ulmen zu finden. Nach Abschluss der Larvenentwicklung, die 5-8 Jahre dauert, verpuppt sich die Larve in einem großen Kokon den sie aus Mulm anfertigt. Der Käfer schlüpft im Herbst aus der Puppe, überwintert jedoch im Kokon und verlässt diesen erst im Frühjahr. Die Entwicklung der anderen Arten, “Kopfhornschröder, Balkenschröder, Naßhornkäfer und Rosenkäfer”, ist mit wenigen Abweichungen ähnlich. Sie alle leben im Mulm hohler Bäume und ernähren sich von Totholz..

Naßhornkäferlarve  (Oryctes nasicornis) in der Puppenkammer Naßhornkäferpuppe  (Oryctes nasicornis) in der Puppenkammer Geschlüpfter Naßhornkäfer  (Oryctes nasicornis) in der Puppenkammer
Kämpfende Hirschkäfer  (Lucanus cervus) Rosenkäferlarven im Holzmulm unter einem großen Stück Buchentotholz
Rosenkäfer legen Ihre Eier in den Mulm von Todholz. Puppenkammer aus Holzmulm gefertigt mit Rosenkäfer-Puppe
Nur 12 bis 16 mm ist der Kopfhornschröder groß, wobei nur das Männchen ein Horn besitzt. Balkenschröter Männchen (Dorcus parallelipipedus)
Naßhornkäfer-Männchen (Oryctes nasicornis) sind leicht am gebogenem Horn zu erkennen. Balkenschröter Weibchen (Dorcus parallelipipedus)

Leben unter Totholz.
Auf dem Boden liegendes, vermoderndes Totholz speichert Feuchtigkeit und bietet somit feuchtigkeitsliebenden Tieren in trockenen Jahreszeiten Rückzugsmöglichkeiten. Zu dieser Tiergruppe gehören auch eine ganze Reihe von Landschnecken. Einige Arten, die im Nationalpark Kellerwald unter Totholz zu finden sind, werden hier vorgestellt.Viele Schneckenarten sind auf intakte natürliche Lebensräume angewiesen und reagieren empfindlich auf die Veränderung ihrer Lebensräume.So führt z.B. die Umwandlung von artenreichen Laubmischwäldern in Fichtenmonokulturen langfristig zum verschwinden (Aussterben) der dort lebenden Schneckenarten.

Buchentotholz Lebensraum für viele Organismen
Verschiedene Schneckenarten bei der Nahrunsaufnahme auf dem Stamm einer umgestürtzten Buche.

Zu den charakteristischen Schneckenarten eines Buchenwaldes gehört der Steinpicker (Helicigona lapicida). Der artgebende Name deutet zwar auf eine Lebensweise an Felsen und Mauern hin, jedoch ist der Steinpicker auch  in Buchenwäldern anzutreffen, wo er bei Regenwetter zahlreich an den Stämmen der Buche hinauf kriecht, um dort auf der Rinde wachsende Algen abzuweiden. Meistens sind auch noch andere Schneckenarten am gleichen Stamm zu beobachten. Hier ist z.B. die waldbewohnende  Bergturmschnecke (Ena montana) und die Rötliche Laubschnecke (Monachoides incarnata) und auch die Maskenschnecke (Isognomostoma isognomostoma)  zu nennen.

Bergturmschnecke  Ena montana
Rötliche Laubschnecke (Monachoides incarnata)
Rötliche Raubglanzschnecke (Daudebardia rufa)
Glatte Schließmundschnecke  Cochlodina laminata
Steinpicker (Helicigona lapicida)  auf Buchenstamm
Große Wegschnecke (Arion ater rufus) kriecht über Totholz
Maskenschnecke (Isognomostoma isognomostoma)

Bei Trockenheit ziehen sich diese Arten gern unter am Boden liegendes Totholz zurück und sind dort leicht zu finden. Mit etwas Glück kann hier auch an kühleren Tagen im Spätherbst die seltene Raublungenschnecke Rötliche Daudebardie (Daude- bardia rufa) gefunden werden. Diese Art besitzt ein nackt- schneckenähnliches Aussehen. Ihr Gehäuse ist zu einem kleinen Schälchen reduziert und sitzt dem hinteren Drittel des Schnecken- körpers auf. Der Schnecke selbst bietet es nicht mehr genügend Platz, um sich darin zu verbergen. Diese Art führt eine räub- erische Lebensweise. In der Dunkelheit verläßt die Schnecke ihr Versteck unter totem Holz und begibt sich auf die Jagd nach kleinen Würmern, Nacktschnecken und Insektenlarven. Selbst kleine Gehäuseschnecken werden verzehrt. Bei großer Wärme und Trockenheit zieht sich die  Rötliche Daudebardie zur unterirdischen Lebensweise in den Boden zurück, ist jedoch selbst an milden Wintertagen wieder unter Totholz zu finden.

Die Verschiedenartigkeit und der Formenreichtum von Schneckengehäusen haben schon oft das Interesse von Sammlern geweckt, sich mit dieser interessanten Tiergruppe zu beschäftigen.

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